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Muck

Petzet

Now is Tomorrow

Panel #5

Wednesday,  May 23th, 2012

 

Statement

Architektur als Ressource

Die Arbeit mit dem Gebäudebestand ist zur größten Bauaufgabe in Deutschland geworden: Es findet ein großmaßstäblicher Umverteilungs- und Umwertungsprozess statt: Einige wenige Metropolen wachsen noch ungebremst, die Mehrzahl der Städte schrumpft, Ränder und Rand-Regionen entvölkern sich zunehmend. Es gibt ein Zuviel an Architektur, Schrumpfung ist zur Planungsaufgabe geworden und auch da wo noch Wachstum ist gibt es keine Tabula Rasa. Es geht um Verdichtung, Ergänzung und das Füllen von Lücken im Gewebe der Städte.
Der Umgang mit dem Bestand ist entscheidend für unsere Zukunft. Die Klimaziele können nur durch die Verbesserung des Bestandes und die Erneuerung bestehender Infrastruktur erreicht werden. Doch der größte zur Sanierung anstehende Gebäudebestand – die Nachkriegsbauten der 50er bis 70er Jahre – gilt als problematisch: Die Gebäude scheinen zu unpassend / zu ärmlich und energetisch zu mangelhaft zu sein um uns in der Zukunft noch als Behausung zu dienen.
Wo wirtschaftlich vertretbar – werden ‚veraltete’ Gebäude und Siedlungen abgerissen und durch neue ersetzt. Die ‘graue’ – in den Gebäuden und Materialien gespeicherte Energie wird bei der energetischen Bewertung der Maßnahmen nicht berücksichtigt und bei den Abbrüchen bedenkenlos freigesetzt.
Auch wenn die Gebäude ‚energetisch saniert’ werden stehen wirtschaftliche und technische Faktoren im Vordergrund. Dieses Arbeitsfeld wird nicht als interessante architektonische Aufgabe begriffen. Die auf ‚Energieeinsparung’ ausgerichtete Sanierung der Gebäude führt meist zum Totalverlust der vorhandenen Qualitäten.
Dabei führen affirmative Transformationsstrategien viel effektiver und wirtschaftlicher zum Erfolg: wenn vorhandene Qualitäten erkannt und weiterentwickelt werden ist der Änderungsbedarf und damit der Aufwand viel geringer.
Abriss und Neubau können eine gute Alternative sein – aber auch eine Anpassung des Raumprogramms an vorhandenen Gegebenheiten – oder die Suche einer geeigneten leerstehenden Struktur für eine neue Nutzung. Die Sperrigkeit des Bestandes kann auch Inspiration zu neuen Lösungen sein.
Muck Petzet

 

Architecture as a Resource 

Working with existing building stock has become the most extensive construction project facing Germany. A process of redistribution and reevaluation is taking place on a vast scale. While a few major cities are still experiencing unchecked growth, the majority of towns and cities are shrinking and their outskirts and peripheries are becoming increasingly depopulated. Architecture is present to excess, shrinkage has become a planning parameter, and not even areas of continued growth are a tabula rasa. The key issues are compression, addition and filling gaps in the fabric of our cities.
The way in which we treat existing building stock is critical for our future. Climate-change targets can only be achieved by improving building stock and renewing existing infrastructure. But the largest category of building stock facing renovation – the post-war architecture of the 1950s to 1970s – poses many problems. Today we perceive these buildings as too inappropriate, too meagre and too energy-inefficient for them to continue to serve us as homes in the future.
Wherever it is economically viable, ‘obsolete’ buildings and estates are demolished and replaced by new ones. The ‘grey’ energy stored in the buildings and materials is not considered in evaluations of the energy-related consequences of these activities, and is thoughtlessly dissipated during demolition.
Even if buildings receive ‘eco-refurbishment’, primary consideration is still reserved for economic and technical factors. This field is not regarded as a fascinating architectural challenge. Renovation of buildings where ‘saving energy’ is the objective generally leads to complete destruction of the buildings’ existing qualities.
Affirmative, transformative strategies represent far more effective and economical routes to success: when existing qualities are identified and developed further, there is a far lower need for change – and, likewise, far lower associated efforts and costs.
Demolition and rebuilding can be a useful course of action – yet so can alignment of spatial utilization programmes to existing conditions, or the search for a suitable vacant structure to undergo a new use. In fact, the awkwardness or unwieldiness of existing building stock may also serve as an inspiration for new solutions.
Muck Petzet 

 

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About

Muck Petzet (*1964) studierte von 1983 bis 1991 Philosophie und Architektur an der LMU München, der TU München und der HdK Berlin. Von 1991 bis 1993 war er als Architekt bei Herzog & de Meuron in Basel tätig und gründete 1993 sein eigenes Büro (1993 bis 2003 in Partnerschaft mit J. P. Meier-Scupin, 2000 bis 2001 erweiterte Partnerschaft mit C. Mayr und J. Hehenberger), das er seit 2003 unter dem Namen Muck Petzet Architekten in München führt. Seit 2012 mit Andreas Ferstl als Partner unter dem Namen Muck Petzet und Partner Architekten.
Neben seiner praktischen Arbeit übernahm Muck Petzet Lehraufträge und hielt Vorlesungen und Vorträge an zahlreichen Hochschulen. Dabei entwickelte er theoretische Grundlagen für den Umgang mit Bestandsbauten, zur Beziehung von Gebäuden und Landschaft und zum Verhältnis von Gestaltung und Normalität.
In seiner sehr vielfältigen Tätigkeit als Architekt und Stadtplaner bilden der Umbau und die Modernisierung von Gebäuden der Nachkriegsmoderne einen Schwerpunkt. Mit der Rehabilitation von Plattenbauten in Leinefelde und Hoyerswerda gewann er zahlreiche nationale und internationale Preise und Anerkennungen. Seine Arbeiten waren in vielen Ausstellungen vertreten.
Muck Petzet ist Generalkommissar des deutschen Beitrags auf der 13. Architektur-Biennale in Venedig 2012.

 

Questions

Was ist “graue” Energie?
What is ‘grey’ energy?

Was sind affirmative Transformationsstrategien?
What are affirmative transformative strategies?

Was steckt im Bestand, welches Potential birgt ein Gebäude?
What does existing building stock have to offer, what potential does it contain?

Was passiert in wachsenden, was in schrumpfenden Städten?
What exactly happens in cities that are experiencing growth, and in those that are shrinking?

Unter ökologischen Gesichtspunkten – was ist besser neu oder alt?
From an ecological viewpoint, what is better – old or new?

Stimmt es, dass 60% des Abfalls von der Bauindustrie produziert wird?
Is it true that 60% of all waste is produced by the construction industry?

Ist der Erhalt jeden Bestandes nicht ein Luxusproblem?
Isn’t the idea of preserving all existing building stock simply a luxury problem?

Was ist unsichtbare Architektur?
What is invisible architecture?

Wieso unterscheidet man nur in Deutschland zwischen Alt- und Neubau?
Why is Germany the only country to make the distinction between old buildings and new buildings – “Altbau” and “Neubau”?

Seit wann gibt es den Ausdruck “kaputtsanieren”? Und was bedeutet dieser für die deutsche Baukultur?
When did the expression “kaputtsanieren”, “to redevelop a building to death”, come into use? And what is its significance for German architectural culture?

Ist die Rekonstruktion einer futuristisch angelegten Vision nicht kontraproduktiv?
Isn’t the reconstruction of a futuristic vision a contradictory action?

Bedingt eine Musealisierung der Städte eine Blockierung von dynamischen Entwicklungen?
Does the musealization of cities represent an obstacle to dynamic development?

Entwickelt man bei der Auseinandersetzung mit dem Bestand eine gewisse Retromanie und Nostalgie?
Do people dealing with existing building stock tend to develop a certain retromania and nostalgia?

Wie sieht die Zukunft der Architekten aus?
What will the future be like for architects?

Kommt das Ende der Autoren-Architektur?
Is authorial architecture on the way out?

Was bedeutet das alles für die Architekturausbildung?
What does all this mean for the study of architecture?

 

Photos

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Everything Else

Muck Petzet Architekten

Deutscher Beitrag
13. Internationale Architekturausstellung
 La Biennale di Venezia

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